Meine Fernreisen mit dem Zug

Eine Fernreise über 1000 Kilkometer mit dem Zug zu planen, kann ganz schön fordernd sein. Will ich einen Flug buchen, gebe ich Start und Ziel bei Google ein und finde in wenigen Sekunden hunderte Angebote, die ich direkt buchen kann. Für Zugreisen gibt es kein Portal, dass internationale Strecken verbindet, beste Preise herausfiltert und dann auch noch die Buchung einer Fahrkarte ermöglicht. Eine Fernreise mit dem Zug zu planen kann deshalb zu einem mühsamen Puzzlespiel am Computer ausarten. Manchmal hilft und inspiriert es, die Reisepläne von anderen zu sehen. Deshalb findet ihr hier eine Übersicht einiger klimafreundlicher Reisen in Europa, die ich mir schon zusammengepuzzelt habe.

Diese Seite ist noch im Aufbau und ich bitte um Entschuldigung für die Unvollständigkeit.


Italien

Hamburg – Calalzo/ Dolomiten: Zum Wandern in die Friaulischen Alpen

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Nachtzug von Hamburg nach München, dann weiter über Verona nach Calalzo.

Rund 1100 Kilometer Reiseweg und 20 Stunden Fahrtzeit

Hamburg – Brig/ Schweiz/ Tessin: Zum Wandern auf dem GTA (Grande Traversata della Alpi)

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Nachtzug von Hamburg nach Basel, weiter über Bern nach Brig.

Rund 1000 Kilometer Reiseweg und 12 Stunden Fahrtzeit


Monte Negro

Monte Negro – Hamburg

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Zug und Nachtzug von Podgorica nach Belgrad, dort den Tag verbracht. Abends weiter mit dem Nachtzug nach Budapest und dort den Tag verbracht. Abends über Wien und München mit dem Nachtzug nach Hamburg.

Rund 2400 Kilometer Reiseweg, Reisezeit mit Städtetrips über drei Tage verteilt


Nordnorwegen

Hamburg – Andenes/ Vesterålen

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Von Hamburg nach Stockholm, dann mit dem Nachtzug von Stockholm nach Narvik. In Narvik spazieren gegangen und übernachtet, am nächsten Morgen mit dem Bus über Sortland nach Andenes

Rund 2600 Kilometer Reiseweg, Anreise verteilt über 2,5 Tage

Hamburg – Kråkberget/ Vesterålen: Mit Zug, Fähre, Bus und Fahrrad zum Arctic Sea Kayak Race.

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In Schweden ist die Fahrradmitnahme nur in Regionalzügen möglich, deshalb bin ich von Hamburg mit dem Zug nach Kopenhagen, dort mit der Fähre über Nacht nach Oslo. Von Oslo mit dem Zug nach Trondheim und mit dem Nachtzug weiter bis Bodø (lässt sich auch gut verbinden mit Tagesaufenthalten in Oslo und Trondheim). Von Bodø mit der Fähre auf die Lofoten nach Moskenes, dort das Rad auf das Busstativ gehievt und bis Svolvær gefahren. Von dort in drei Tagen nach Kråkberget geradelt.

Rund 2500 Kilometer Reiseweg. Drei Tage mit Zug, Schiff, Bus und drei Tage Radeln. Die Anreise war schon Teil des Abenteuers! Mehr zum „schönsten Paddelfestival der Welt“ auf den Vesterålen hier.


Schottland

Hamburg – Edinburgh/ Schottland

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Mit dem Zug von Hamburg über Brüssel nach London, von dort mit dem Nachtzug (Caledonian Sleeper) nach Edinburgh.

Rund 1600 Kilometer Reiseweg, Anreise circa 20 Stunden (einen Tag und eine Nacht)


Schwedisch Lappland

Hamburg – Hemavan in Lappland

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Von Hamburg nach Stockholm, dort mit dem Nachtzug nach Umeå. Von Umeå morgens mit dem Bus nach Hemavan zum Startpunkt des Weitwanderweges auf dem Kungsleden

Rund 2000 Kilometer Reiseweg und 26 Stunden Reisezeit. Klimabilanz und mehr zur Anreise hier.

Fahrradtransport auf nordnorwegisch

Warum ich nicht mehr fliege

2017 bin ich zuletzt in ein Flugzeug gestiegen. Ich wollte nach Spitzbergen, hatte soviel von dieser faszinierenden Inselgruppe gehört und auch eine Weile als Autorin für www.spitzbergen.de gearbeitet. Tatsächlich hat mich diese Reise nachhaltig beeindruckt, aber ganz anders, als ihr vielleicht vermuten mögt. Natürlich war ich beeindruckt von der arktischen Kargheit, von den riesigen Gletschern, von Robben, Walen, Seevögeln und Eisbären, die man mit viel Glück dort zu sehen bekommt, wo es bis zum Nordpol nur noch 1000 Kilometer weit sind. Was mich aber besonders nachdenklich gestimmt hat, ist der Widerspruch, der an kaum einem anderen Ort auf der Welt so deutlich wird wie hier.

Wie alle arktischen Regionen ist Spitzbergen vom Klimawandel besonders stark betroffen. Die Durchschnittstemperatur hat sich hier bereits um fünf Grad gegenüber vorindustrieller Zeit erhöht. Schlammlawinen, Extremwetter, Hitzewellen – Jahr für Jahr werden neue traurige Rekorde aufgestellt. Zugleich lebt Spitzbergen maßgeblich vom Tourismus, der klimafreundlich aber praktisch unmöglich ist. Wer nach Spitzbergen reist, ist in der Regel gezwungen, mit dem Flugzeug oder Kreuzfahrtschiff anzureisen und dabei jedes Mal einen riesigen Koffer an CO2 Emission mitzubringen. Nur wenige Reiseveranstalter bieten auch Segelreisen in arktische Regionen an, die eine erheblich geringere CO2 Bilanz haben; zumindest dann, wenn die An- und Abreise zum Startort nicht mit dem Flugzeug erfolgt ist. Darüber hinaus bezieht Spitzbergen seinen Energiebedarf noch immer ausschließlich Steinkohle, die zu den klimaschädlichsten Energieträgern gehört. Eine Energiewende hin zu erneuerbaren Energiequellen ist zum Glück aber endlich in Gang. Für den Tourismus hingegen gibt es noch keine Lösung.

Das Dilemma in meinem Kopf

Kognitive Dissonanz nennt man den Zustand, in den eigenen Widersprüchen gefangen zu sein. Kognitive Dissonanz war es schließlich auch, die mein Reiseverhalten verändern sollte. Bei der Rückkehr aus Spitzbergen spürte ich plötzlich: Für mich ist gar nicht mehr wichtig, dass mein individuelles Verhalten kaum Einfluss auf die globalen Treibhausgasemissionen hat. Die Frage: „Was bringt das?“ spielt gar keine Rolle mehr für mich. Ich kann und will schlicht und einfach die kognitive Dissonanz zwischen meinem eigenen Verhalten und meinen Werten nicht mehr ertragen. Einerseits für Klimagerechtigkeit eintreten und andererseits in die Arktis fliegen – dieses Dilemma bekommt mein Gehirn nicht aufgelöst. Ich kriege davon Kopfschmerzen.

Wenn ich diesen Planeten wieder verlasse, möchte ich möglichst wenig Schaden angerichtet, möglichst wenig Müll hinterlassen haben. Was so altruistisch klingt, ist aber auch ein Stück egoistisches Handeln. Denn mit dieser Entscheidung spüre ich auch, wie es mir beim Reisen zunehmend besser geht! Wie ich Spaß daran habe, Zugreisen auszutüfteln, Traumziele nach Bahnhöfen und Bushaltestellen abzusuchen, Abenteuer nicht auf fernen Kontinenten, sondern in meiner Umgebung zu entdecken und auch andere Menschen dafür zu begeistern. Wie ich im Zug Zeit finde zum Lesen, zum Landschaft bewundern, für unverhoffte Zwischenstopps und Städtetrips.

Höchstens alle fünf Jahre möchte ich noch eine Flugreise machen. Das habe ich mir im August 2017 vorgenommen, als ich in Spitzbergens Hauptort Longyearbyen das vorerst letzte Mal ins Flugzeug stieg, das Herz voller Liebe für diese kalte, harsche und doch so empfindliche Landschaft, und zugleich voller Schmerz darüber, dass sie schon in einigen Jahrzehnten nicht wiederzuerkennen sein wird, wenn wir es jetzt nicht schaffen, die Erderhitzung zu begrenzen. 2022 sind diese fünf Jahre um. Ich „darf“ also wieder eine Flugreise machen. Nur: Ich will gar nicht mehr. Ist besser so für mich.