#12Monate12Nächte – Nacht 9: Von Langeweile im Wald und maximalistischem Reisen

Von Langeweile im Wald hier als Podcast hören, in deiner Podcast App oder bei Spotify.

Es ist Ende September, als ich zu meiner neunten Draußen-Nacht in 2021 aufbreche. Von Januar bis August habe ich jeden Monat mindestens einmal draußen geschlafen. Fehlen nur noch die Herbstmonate, um auf #12Monate12Nächte zu kommen. Ich bin gerade von meinem sechswöchigen Wanderurlaub in Skandinavien zurückgekommen und noch reichlich mit den üblichen Eingewöhnungsschwierigkeiten nach solchen Reisen beschäftigt.

Post-Vakations-Depression

Vielleicht kennt ihr das auch, dass ihr euch nach einem Urlaub im Alltag zwischen Geschirrspülmaschine und Erwerbsarbeit nicht mehr so richtig zurechtfindet? Alles geht viel zu schnell, ständig fallen Dinge über einen her, die erledigt, gekauft, repariert, organisiert, weggeschmissen, gekocht oder gewaschen werden wollen. Ich weiß noch, wie ich nach einem Urlaub auf den Lofoten zurück in Hamburg mal in eine mittelschwere Post-Vakations-Depression (PVD) gefallen bin.

Klingt lustig? War es leider nicht. Drei Monate lang stellte ich mein ganzes Leben in Frage, wollte mich von meiner langjährigen Beziehung trennen und war überzeugt, ich würde nur in einer einsamen Hütte im Wald glücklich werden, in der ich höchstens zweimal im Jahr Besuch empfangen würde. (Einmal im Mai dürften meine Vogelfreunde zum Birdrace kommen – einem bundesweiten Vogelzähl-Wettkampf. Und das zweite Mal würde ich mit allen anderen Freundinnen und Freunden einen Spieleabend machen.)

Spaßeshalber habe ich mal das Wort Post-Vakations-Depression gegoogelt, das ich meine, gerade erst erfunden zu haben und – zack: Google kennt das natürlich schon. Seit es Google gibt, ist es wirklich schwer geworden, sich kreativ zu fühlen. Wikipedia beschreibt tatsächlich den Post-Vacation-Blues, der von Symptomen wie Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Nostalgie und Depression geprägt sein kann. Angeblich ist mehr als jede zweite Urlauberin, jeder zweite Urlauber davon betroffen. Und das Internet definiert noch weitere interessante Gefühlszustände, unter anderem den Post-Party-Blues, die Neuer-Job-Apathie, das Frühlings-Fieber und den Montags-Blues. Zivilisationskrankheiten, die wahrscheinlich nur reiche Länder kennen.

„Hast du schon wieder Urlaub?“

Meist wird man nach dem Urlaub ja höflich gefragt, ob man sich gut erholt habe. So, als sei das das eigentliche Ziel des Urlaubs gewesen: Sich zu erholen, damit man wieder leistungsfähig und ein nützliches Mitglied der Gesellschaft sein kann. Im Urlaub hingegen ist man vollkommen unnütz und darf das für eine begrenzte Zeit auch sein. Überschreitet diese Zeit aber das übliche Maß von zwei bis drei Wochen, kippt die gesellschaftliche Akzeptanz hin und wieder, und man kann sich auf Kommentare einstellen, die zwischen Bewunderung, Neid und Empörung schwanken.

Gern werde ich dann auch von meinem Gegenüber darauf hingewiesen, dass man selber ja schon eeeewig keinen Urlaub mehr gehabt habe und wirklich sehr erholungsbedürftig sei. Oder ich werde mit vorwurfsvollem Unterton gefragt, warum ich eigentlich „schon wieder Urlaub“ habe. Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Weil ich nämlich viele Dinge nicht habe, die andere Menschen haben. Und die sie irgendwann auch ganz gerne haben wollten: Kinder zum Beispiel, die es einem ziemlich übelnehmen, wenn man ihnen ein paar Stullen in die Hand drückt und sagt: „Mama macht jetzt Urlaub und kommt in ein paar Tagen zurück. Schön in die Schule gehen und nichts anzünden, ja? Tschüüß!“

Kinder ziehen auch lieber auf Bauernhöfen Schweinen an den Ohren, als stundenlang wandern zu gehen. Man kann auch viel Zeit sparen, wenn man nicht so viel Zeugs kauft, um das man sich dann lästigerweise kümmern muss. Es sei denn, man hat so viel Geld, dass man sich auch noch Leute kaufen kann, die das Kümmern übernehmen. Häuser, Ferienwohnungen oder anderes größeres Eigentum haben die Eigenschaft, dass ständig irgendetwas ausgebessert, umgebaut oder Reifen, Öl oder Rückspiegel gewechselt werden müssen.

Eine Weile hatte ich mal einen kleinen Bauwagen auf dem Land. Hört sich idyllisch an. War es auch. Aber nur, solange ich es schaffte, alles zu verdrängen, worum ich mich eigentlich hätte kümmern müssen: das undichte Fenster, die kaputte Regenrinne, das geklaute Ofenrohr, die Mäusefamilie in der Dämmung, die zugige Tür, noch ein geklautes, diesmal nagelneues Ofenrohr, das vom Sturm umgekippte Plumpsklo und einmal sogar der Holzofen, der statt im Bauwagen plötzlich auf der Wiese davor lag. Jemand hatte offenbar versucht, den zum Rohr passenden Ofen zu klauen, war aber nicht weit damit gekommen. Das Teil war nämlich unfassbar schwer.

Mehr Baustelle als Bauwagen

Urlaubskiller: Kinder. Fester Job. Eigentumswohnung. Altersvorsorge.

Was sie Reisezeit auch einschränkt, ist ein fester Job. Oder eine Altersvorsorge, die so teuer ist, dass man immerzu arbeiten muss, um sie sich leisten zu können, damit man in zwanzig oder dreißig Jahren die sauteure Behandlung des Rückenschadens bezahlen kann, den man sich in den Jahrzehnten davor vom vielen Arbeiten zugezogen hat.

Kinder, fester Job, Eigentumswohnung, Altersvorsorge. Das sind alles sehr schöne und nützliche Dinge. Verbrauchen aber viel Zeit und Geld. Ich bin freiberuflich, nehme die erste Silbe dieses Wortes sehr ernst und hatte bisher auch irgendwie immer wahnsinniges Glück. War nicht länger krank, hatte meist genug Aufträge zum Leben und konnte sogar etwas sparen. Ist genug Geld auf meinem Konto, mache ich frei. Was für ein Geschenk! Aber fragt mich gern nochmal, ob das so schlau war, wenn ich mit Ende 60 zahnlos, verarmt und einsam von Grundsicherung leben muss.

Ich bastel mir ein … äh … Tarp

Ich war also nach der langen Skandinavien-Reise mit der Eingewöhnung in meinen Alltag beschäftigt, mit Geldverdienerei, mit ich-muss-unbedingt-mehr-Sport machen und ähnlicher wenig origineller Jammerei. Ich dachte, eine Nacht im Freien würde mir bestimmt guttun und beschloss, einfach mal von zu Hause aus in das nächstgelegene Waldstück zu radeln und dort zu übernachten. Am liebsten hätte ich das mit Hängematte und Tarp ausprobiert, das wäre nämlich für mich ganz neu gewesen. Das hab ich aber beides nicht und will mir das auch nicht kaufen, weil ich ganz sicher bin, dass mindestens vier Menschen in meinem Freundeskreis Hängematten und Tarps besitzen und auch verleihen würden, sobald sie sie auf dem Dachboden ausgegraben und etwas entstaubt haben. Ein Tarp ist übrigens eine einfache Plane, die man zwischen Bäumen befestigen kann, um darunter vor Regen geschützt zu sein.

Nun war ich aber zu spontan unterwegs, deshalb nahm ich nur eine Isomatte mit und die äußere Haut meines Zeltes. Außerdem packte ich noch ein Sammelsurium an Gurten, Leinen und Karabinerhaken ein, um mir eine Art Tarp basteln zu können. Das fand ich unheimlich schlau von mir. Ich bin nämlich totaler Fan der multifunktionalen Nutzung von Gegenständen. Meine Freundin hat sich zum Beispiel mal ein Schlafsackinlet gebastelt, dass sie außerdem als Rock, Handtuch, Kopfkissenbezug, Packbeutel, Hängematte und Schlagwaffe einsetzen konnte! Großartig! Wenn euch noch mehr Multifunktionszeugs einfällt, immer her mit euren Ideen!

Eine Art „Tarp

Wenn ich ehrlich bin, erhoffte ich mir von der Aktion Ich-bastel-mir-ein-Tarp-aus-meinem-Außenzelt auch eine Funktion als Beschäftigungsmaßnahme. Denn Abende alleine im Wad können lang werden, was übrigens auch ein Grund dafür ist, dass ich selten auf meinen Kocher verzichte. Man kann damit super Zeit rumbringen – vor allem mit einem alten Spirituskocher bei Temperaturen unter 10 Grad – und hat zugleich das Gefühl, etwas wahnsinnig Nützliches zu tun. Diesmal wollte ich aber so minimalistisch wie möglich unterwegs sein und ließ auch den Kocher zu Hause.

Maximalistisch reisen

Was als minimalistisch gilt, ist ja übrigen sehr subjektiv. In der Mikroabenteuer-Szene – ja, sowas gibt es tatsächlich! – gibt es so eine Challenge, bei der man für eine Übernachtung nur sieben Dinge mitnehmen darf. Im Globetrotter-Magazin (Ausgabe 25) hingegen wurde neulich das andere Extrem einer Minimalismus-Definition beschrieben. Hier die wörtlich zitierte Ankündigung für einen Lichtbildvortrag: „Lonely Landy, minimalistisch reisen.“ Und dann: „Klappspaten statt Chemietoilette, Gaskocher statt Küchenzeile und der berühmte Schweizer Wassersack ersetzt die Dusche: Unterhaltsam und kurzweilig erzählen F. und C., wie sie mit ihrem minimalistisch-gemütlich ausgebauten Landrover Defender und Hund Schmiddie die einsamsten Ecken Europas erkunden. Dank hoher Geländegängigkeit finden Sie atemberaubende Geheimplätze, wo Sie autark ausgerüstet so lange bleiben, wie es ihnen gefällt.“

Ich musste das zweimal lesen, um zu verstehen, dass das kein Druckfehler war, bei dem man „Landrover Defender“ verwechselt hatte mit „Lastenrad“. Nein, das war ernst gemeint und ich fragte mich: Wenn wir uns darauf einigen, dass ein Landrover Defender in die Kategorie Minimalistisch-Reisen fällt –  ein Fahrzeug, das zweieinhalb Tonnen wiegt, mal so bummelig 260 Gramm CO2 pro Kilometer ausspuckt und aus gutem Grund einen militaristischen Namen trägt –  wie definieren wir denn dann das normale, „nicht-minimalistische Reisen“?

Finden wir dann im Globetrotter-Magazin demnächst Reisetipps wie „Im LKW durch Lapplands Nationalparks“? Oder „Mit dem Truck durch den Thüringer Wald“? oder „Mit dem Privatpanzer durch die Pyrenäen“?

Wie Worte Wahrnehmung prägen

Ich bin immer wieder fasziniert davon, was Sprache an- und ausrichten kann, und wie dieselbe Angelegenheit ein ganz anderes Bild zeichnen kann, je nachdem, welche Formulierungen man benutzt. Wir passen unsere Worte und unsere Sprache ständig unserer eigenen Realität und Perspektive an, und oft geschieht das ganz unbewusst.

Hätte ich den Text im Globetrotter-Magazin formulieren sollen, hätte da wahrscheinlich gestanden: „Lonely Landy – die Natur als Parkplatz. Schamlos und ignorant erzählen F. und C. J., wie sie mit ihrem Ungetüm von Kraftfahrzeug reichlich Treibhausgase ausstoßen und dabei nicht davor zurückschrecken, auch an abgelegenen Orten, in denen die Tierwelt bisher ihre Ruhe hatte, die Luft zu verpesten, alles plattzufahren und sich dabei noch unheimlich abenteuerlich vorzukommen. Hund Schmiddie kaut auch gerne mal im Naturschutzgebiet auf ein paar geschützten Vogelarten rum.“

Andererseits würde jemand anders vielleicht über mich beziehungsweise meinen Blog und Podcast auch nicht das schreiben, was ich gerne hören würde, nämlich, dass ich andere für klimafreundliches und naturschonendes Reisen und Outdoorabenteuer vor der eigenen Haustür begeistern möchte, sondern vielleicht stattdessen diese Perspektive einnehmen: „In ihren Texten erklärt Andrea Sievers ihr eigenes spartanisches und an Masochismus grenzendes Reiseverhalten zum Maßstab des Outdoor-Dasein. Mit ihren überzogenen Moralvorstellungen ignoriert sie weniger anspruchslose Lebenswelten und verurteilt pauschal alle, die für ihre Reisen traditionelle oder bequemere Verkehrsmittel als ein klappriges Fahrrad wählen oder angemessenere Unterkünfte als eine rückenschädigende Isomatte auf einem Acker.“

Im Wald. In der Stadt.

Nun aber zur eigentlichen Übernachtung im Wald. Nur eine Dreiviertelstunde radele ich, bis ich dort ankomme, wo ich mich in den Wald schlagen will. In der Hoffnung, dass dort nicht mehr allzu viel los sein würde, habe ich extra einen Donnerstag abend ausgesucht. Aber auch wenn der Wald einem richtigen Wald stark ähnelt, ist es eben ein Stadtwald, und es sind noch ziemlich viele Leute unterwegs. Ich schließe mein Fahrrad an und fühle mich ein bisschen wie ein Drogendealer, während ich am Wegrand darauf warte, dass gerade niemand guckt und ich unbemerkt in den schon dämmerungsdunklen Wald schleichen kann.

Das gelingt mir ganz gut, nur dass mir schon nach wenigen Schritten ein junger Mann entgegenstapft, der mit einiger Mühe ein Fahrrad durch den weglosen Wald schiebt. Er tut das so selbstverständlich, dass ich meinem ersten Impuls zu flüchten widerstehe, festen Schrittes weitergehe und höflich grüße. Es ist dann wirklich schwierig, ein geeignetes Plätzchen zu finden, das nicht zu nah am Weg liegt. Sobald man sich aus der Sichtweite des Wanderwegs bewegt hat, taucht auf der anderen Seite schon der Reitweg auf oder ein Jägerstand oder ein weiterer Feldweg.

Erst bei dieser Suche nach einem geschützten Plätzchen im Wald wird mir bewusst, wie es den Tieren gehen muss, die hier zu leben versuchen und sicher mehr Unheil von plötzlich auftauchenden Menschen zu erwarten haben als ich. Und nun latsche ich auch noch mitten durch diese kleinen Waldschnitzelchen hindurch, die ihnen zum Verstecken noch geblieben sind. Das schlechte Gewissen beginnt, wie eine kleine Spitzmaus an mir herumzunagen. Ich verscheuche die Spitzmaus und entschuldige mich damit, dass ich immerhin nicht mit dem geländegängigen „Landy“ zu diesem mittelmäßig atemberaubenden Plätzchen gefahren bin.

Schließlich finde ich ein Plätzchen und versuche, das Außenzelt wie ein Tarp zwischen die Bäume zu schnüren. Hier nur ein kurzes Fazit: Das geht. Aber es war nicht so einfach wie gedacht. Mein Außenzelt, das eigentlich zu einem Tunnelzelt gehört, war viel zu groß und viel zu tunnelförmig, um sich vernünftig abspannen zu lassen. Aber als Schutz vor dem leichten Nieselregen in der Nacht reichte es aus. Würde ich aber wohl nicht wieder machen.

Laaaaaaangweilig…

Und dann liege ich da, es wird langsam dunkel und ich langweile mich. Das kenne ich eigentlich nicht. Es ist die erste Alleine-Draußen-Nacht, in der ich Langeweile empfinde. Ich versuche zu lesen, aber auch dabei langweile ich mich. Außerdem will ich kein Licht anmachen, um nicht gesehen zu werden und nicht noch mehr zu stören. Ich versuche, im Kopf meine Packliste zu optimieren. Ich poste irgendwas auf Instagram. Auch langweilig, wenn niemand darauf reagiert. Kaum etwas ist so langweilig wie soziale Medien, in denen niemand deine Beiträge likt. Oder fast noch schlimmer: Nur eine oder zwei Personen das tun. Ob F. und C. sich in ihrem minimalistisch-gemütlichen Landstreuner Verteidiger auch mal gelangweilt haben?

Es ist kurz vor 21 Uhr, ich langweile mich so vor mich hin, einschlafen kann ich auch nicht. Außer einer Party, deren Wummern in der Ferne meinen Musikgeschmack leider nicht trifft, ist es still im Wald. Das liegt aber auch an der Jahreszeit. Eine Freundin schrieb mir mal im September eine ganz aufgeregte Nachricht: „Andrea, ich bin im Wald und man hört überhaupt keinen Vogel! Gar nichts! Ist das normal? Ich finde das ganz unheimlich.“ Ich konnte sie beruhigen: Die meisten Vögel gehen im September in eine Art Schweige-Retreat. Sie singen im Frühling, wenn sie ihre Reviere markieren und Vogelfamilien gründen wollen. Oder aus anderen Gründen, die wir noch nicht verstehen. Im September sind die Jungen ausgeflogen, viele Zugvögel schon auf dem Weg nach Süden und die anderen erholen sich einfach mal ein paar Wochen. Und halten den Schnabel. Es gibt ein paar Ausnahmen, die sich das ganze Jahr bemerkbar machen, aber ein stiller Wald im September ist kein Hinweis auf das Artensterben oder andere beängstigende Ereignisse.

Was machen die Stockerpel im September?

Ich weiß noch, wie ich in einer Zeit vor Google und bevor ich mich für Vögel zu interessieren begann, mal verwundert feststellte, dass Ende August anscheinend alle männlichen Stockenten auf der Alster verschwunden zu sein schienen. Ihr wisst schon, die mit dem schönen grünglänzenden Kopf und der dunkelbraunen Brust. Alle Enten, die ich sah, waren braun-beige gemustert, wie ich nur die Weibchen kannte. Inzwischen weiß ich, dass Stockenten im Sommer ihr Gefieder einmal komplett austauschen. Sie mausern sich, und die Männchen wechseln dabei für eine Periode von ein paar Wochen die Gefiederfarbe.

In dieser Zeit sind sie sogar flugunfähig, weshalb es sehr praktisch ist, nicht durch glänzende Federn aufzufallen. Die männlichen Stockenten erkennt man aber immer noch am gelben Schnabel. So, mit diesem Wissen, das ich euch vollkommen kostenlos nur gegen ein paar Likes und Empfehlungen meines Podcasts zur Verfügung stelle, könnt ihr mal schön eure Freund*innen beeindrucken, wenn ihr das nächste Mal an ein paar Stockenten vorbeispaziert. Bitte, gern geschehen.

Die Nacht: Naja. Aber der Morgen danach…

Die Nacht im Wald bleibt dann leider so langweilig, dass es sich kaum darüber zu schreiben lohnt. Ich schlafe nicht und das Hämmern der Bässe in der Ferne lässt erst gegen vier Uhr morgens nach, als ich endlich doch zum Langweilen zu müde werde und einschlafe. Um acht wache ich wieder auf – die Langeweile ist wie weggeblasen. Es gibt ja auch eine Menge zu erledigen: Müsli anmischen, lauwarmen Tee vom Vortrag trinken, eine Toilettengrube graben, das Tarp-Zelt-Gedöns entwirren und ein paar Spinnen verabschieden, die die Nacht in meinem Haupthaar verbracht haben. Ich bin ihnen nicht böse, im Gegenteil. Ich bin dankbar, dass sie mich offenbar als Lebensraum und nicht als Bedrohung wahrgenommen haben und hoffe, sie hatten es schön warm.

In der schlimmsten Phase des Langweilens dachte ich am Abend noch, dass dieses Mikroabenteuer im September, meine neunte von zwölf geplanten Draußennächten in diesem Jahr, jetzt aber mal nicht so dolle gewesen ist. Aber dann ist der Morgen wieder so unheimlich schön. Die Stille ist irgendwie frischer als gestern Abend, nicht mehr so unheimlich. Nur eine Joggerin treffe ich an meinem Fahrradparkplatz, dann bricht die Sonne durch die Wolken, und weil ich nach Hause Richtung Osten radele, wärmt sie die ganze Zeit über mein Gesicht. Das alles ist überhaupt nicht mehr langweilig.

Mikro-Langeweile mit Spinne im Haar

Ich kann nicht behaupten, dass ich mich besonders gut erholt hätte nach dieser Nacht oder dass es besonders aufregend gewesen sei. Der Begriff Mikro-Abenteuer erscheint mir viel zu dramatisch für diese einfach etwas langweilige Nacht im Wald in der Stadt. Eher ein Mikro-Gelangweile vielleicht. Ein Mikro-Gelangweile mit Spinne im Haar und sehr schönem Sonnenaufgang. Aber mehr brauche ich auch ja gar nicht gegen den Post-Holiday-Blues.

Ein Gedanke zu “#12Monate12Nächte – Nacht 9: Von Langeweile im Wald und maximalistischem Reisen

  1. Sehr sehr schön und sehr lustig.. fühle mich mal wieder animiert, auch mal mein Haupthaar einer Spinne anzubieten, wohlwissend, dass mich das darüber zu viel nachdenken entweder vom schlecht schlafen lässt oder womöglich Albträumen zu viel Raum gibt… doch um guten Schlaf geht es ja offensichtlich bei der ganzen Geschichte weniger😅

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